Einmal „kreatives Denken und innovativen Entdeckergeist“* zum Mitnehmen, bitte!

Jetzt gleich, genau.

Danke!

Halt! Da war noch was. Die Sache mit dem Kleingedruckten…

*aber bitte nur in leicht verträglichen Maßen. Zu vorgegebenen Rahmenbedingungen und unter bestimmten Voraussetzungen. Am besten zu einem vereinbarten Zeitpunkt und Ort meiner Wahl.

George Land beschreibt in seinem kurzen Vortrag sehr anschaulich, wie (beängstigend) rasant wir uns entwickeln und welche Ansprüche wir an uns, unsere Mitarbeiter und unser Umfeld stellen.

Wir bewegen uns in Luft und Wasser, obwohl unser Körper nicht dafür gebaut ist. Wir eignen uns Wissen an, obgleich wir vieles davon niemals beileibe erfahren werden. Wir trauern für Menschen, die uns ein Leben lang unbekannt geblieben sind.

Unser Spektrum an Wahrnehmungen – seien es physische, emotionale oder kognitive – wächst in unerheblichem Maße. Und wir mit ihm mit.

Der Trend Richtung „Langsamkeit und Individualität“ boomt nicht ohne Grund. Denn, wer fühlt schon richtig intensiv, wenn die Ruhe dafür ausbleibt. Wer bewegt sich wirklich aufmerksam, wenn die Geschwindigkeit zu hoch ist. Wer nützt sein Wissen, wenn der Inhalt nur theoretisch vorhanden ist?

Die Zahl innovativer Ideen steigt und steigt. Die Suche nach neuen Trends wird zur Jagd. Und während wir unsere Beute sortieren, stehen bereits die nächsten Happen auf der Liste.

Und wieder wissen wir von neuesten Errungenschaften, die wir nun mal nicht selbst initiiert, gezündet oder kreiert haben. Wir sind lediglich die ersten, die davon erfahren…

Zeit, auszusteigen. Anzuhalten. Inne zu halten. Selbst kreativ zu werden.

Die meisten Erwachsenen sind nicht mehr kreativ. Sie jagen nach fremder Kreativität und hoffen auf die zündende Idee. Anstatt selbst zu zünden.

Land stellte in seinem Test für die NASA fest, dass 98% aller Kleinkinder hoch kreativ sind. Ab dem 25. Lebensjahr sind es nur noch 2%. Welch erschreckende Zahl. Noch erschreckender ist die Erkenntnis, dass wir offenbar nicht unkreativ geboren werden. Wir werden unkreativ gemacht. Um dann, später, nach den exotischen 2% zu suchen.

Wenn ich Erwachsenen ein großes weißes Blatt Papier gebe, reagieren die meisten von ihnen mit großer Unsicherheit und Angst. Sie wissen nicht, was sie damit machen könnten und ob die Größe wirklich auszufüllen wäre. Sie fürchten, es sei Verschwendung und wissen nicht, wie sie es am besten füllen könnten.

Gibt man Kindern ein ebenso großes Blatt (das in dem Fall gleich groß wie das Kind selbst ist), reagieren sie meistens mit großem Staunen und Freude. Es dauert Minuten bis das Blatt an Farbe gewinnt und binnen eines kurzen Augenblicks wird die Außenwelt völlig vergessen.

Je jünger das Kind, umso weniger Ängste, Befürchtungen und Ansprüche hat es im Umgang mit Kreativität.

Wenn Kleinkinder kreativ sind und beispielsweise malen, denken sie nicht an Be- oder Verurteilung, noch an Kritik oder Rahmenbedingungen. Sie denken nicht an das Ergebnis.

Je älter wir werden, umso mehr passen wir uns den vorgegebenen Rahmenbedingungen an. Beim Malen – wie auch im (anderen) richtigen Leben.

Kreativität

Wir beginnen, vorgegebene Felder auszumalen und vorbestimmte Linien zu verbinden.

Wir befolgen Farbabfolgen und „lernen“, uns innerhalb der Grenzen zu bewegen.

Wir lernen, dass Spuren unseres Tuns vermieden werden sollen, bis wir die Kreativität selbst vermeiden, um Aufwand zu reduzieren. 

Wir werden bewertet und benotet, um feststellen zu müssen, dass unsere Form der Kreativität, nicht der Norm entspricht. 

Wir erfahren, dass unser Tun nützlich und ergebnisreich sein muss, damit es SinnVoll ist. 

Bis wir dann schlussendlich im weißen Hemd klar strukturierte Bereiche füllen und uns die Finger dabei nicht schmutzig machen, weil wir uns einreden (ließen), wir seien nicht begabt.

Wir sind kreativ – und wie!

Noch nie habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Mensch nicht kreativ sei. Sei es gestaltend, malend, denkend, musikalisch, erzählend oder in irgendeinem anderen Bereich.

Jeder Mensch hat kreative Quellen und inspirierende Ressourcen, die Potential für innovative Ideen haben.

Die Frage ist nur, inwieweit erlauben wir es uns selbst und unseren Mitarbeitern von Kreativität Gebrauch machen zu dürfen?

Inwiefern ist es angebracht – nein, sogar erwünscht, kreativen Ideen SpielRaum zu geben?

Darf jeder auf seine eigene Weise kreativ sein, um barrierefreies Denken zu ermöglichen?

Wo es inspirierende Kreativräume gibt, wo Mitarbeiter wertfrei assoziieren dürfen und wo Regeln und Gebote währenddessen ad acta gelegt werden, dort wird kreativer Forschergeist für wahre Innovation gelebt!

Im Moment des kreativen Denkens dürfen Maßregeln und Tabus nicht gelten. Es müssen Ideen generiert werden dürfen, die fantastisch, illusionistisch oder auch gegensätzlich sind. Es muss Spaß machen, Augen zum leuchten bringen und Visionen erzeugen. Auch und gerade in Unternehmen!

Dies sind die einzigen Bedingungen für Kreativität.
Lasst uns die Hände schmutzig farbig machen, um Ideen zu zünden, inspirieren und einfach zu tun!

Do. Go Create! 

Sabrina

…so wie Amelie, der ist’s nämlich ziemlich egal, ob ihre Bilder ein Rembrandt werden. Immerhin ist sie zu 98% kreativ ;)[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

About Sabrina Koch

Sabrina ist als Coach, Supervisorin, Kunsttherapeutin und Referentin tätig. Sie hat jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen. Manager und Unternehmer, aber auch Menschen in Krisen oder Jugendliche begleitet sie durch ihre motivierende Art mit Klarheit und Wertschätzung.